Selbstgespräche halten heißt, planen zu können – Innere Sprache bei Autismus

In einer Forschungskooperation zwischen Universitäten aus Durham, Bristol und London haben Wissenschaftler wichtige Erkenntnisse zur Bedeutung der inneren Sprache für die Handlungsplanung bei Menschen mit Autismus gewonnen.

Jeder führt dann und wann Selbstgespräche – besonders, wenn er sich etwas kurzzeitig merken möchte oder eine schwierige Aufgabe lösen muss. Von der Annahme ausgehend, dass bestimmte Aspekte unseres geplanten und gezielten Handelns, der sogenannten „Exekutiven Funktionen“ mit linguistischen Faktoren zusammenhängen, stellten die Forscher Probanden mit  und ohne Autismus vor eine Gedächtnis- und eine Planungsaufgabe jeweils mit und ohne artikulatorische Unterdrückung. Die artikulatorische Unterdrückung bewirkt, dass die innere Sprache gehemmt wird, indem der Proband andauernd das gleiche, kurze Wort (z.B. „das“) artikulieren muss.

Bei der Gedächtnisaufgabe waren sowohl Probanden mit als auch ohne Autismus in ähnlicher Weise von der artikulatorischen Unterdrückung in ihrer Leistung beeinträchtigt. In der Planungsaufgabe zeigten nur die Probanden ohne Autismus Auswirkungen der artikulatorischen Unterdrückung auf ihre Leistungen. Hieraus wurde geschlossen, dass bei Menschen mit Autismus das innere Sprechen nicht zur Handlungsplanung herangezogen werde.  Die Forscher weisen darauf hin, dass der frühe Aufbau einer gelingenden interpersonellen Kommunikation letztlich auch Auswirkungen auf spätere Kompetenzen der Problemlösung bedeute.
 
Williams, D. M. et al. (2012). Inner speech is used to mediate short-term memory, but not planning, among intellectually high-functioning adults
with autism spectrum disorder. Development and Psychopathology, 24, 225-239.