Phonophobie und Hypersensitivität – Auditive Wahrnehmungsstörungen bei Autismus

Ärzte haben an einem chinesischen Krankenhaus 150 autistische Kinder und 146 sprachgestörte Kinder ohne Autismus hinsichtlich ihrer Hörwahrnehmung („auditive Wahrnehmung“) untersucht. Dabei wurden Schwerhörigkeiten im engeren Sinne ausgeschlossen. Alle Kinder mit Autismus zeigten Besonderheiten der Hörwahrnehmung, in der Kontrollgruppe waren es nur 33 Prozent.

Jedoch unterschieden sich diese Besonderheiten innerhalb der autistischen Gruppe: Bei einigen Kindern zeige sich eine Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) gegenüber auditiven Reizen, andere wiesen eine Unterempfindlichkeit (Hyposensitivität) auf. Es gab sowohl Kinder, die Vorlieben für spezielle Geräusche hatten als auch Kinder, die eine regelrechte Angst („Phonophobie“) bei Geräuschen zeigten. Die Phonophobie vor normalen Gesprächslauten tauchte häufiger bei Kindern mit schwerem Autismus auf.

 

Zwar geben die Wissenschaftler noch nicht vor, was diese Erkenntnisse für die Therapie autistischer Kinder bedeuten, sie legen Störungen der auditiven Wahrnehmung aber als Kernsymptom des Autismus nahe. Außerdem könnte dieser Bereich eine wichtige Rolle dabei spielen, Kinder mit Autismus frühzeitig von Kindern mit sonstigen Entwicklungs- und Sprachstörungen zu unterscheiden.
 
Tan, Y.-H. et al. (2012) Auditory abnormalities in children with autism. Open Journal of Psychiatry, 2, 33-37.