Sprachanbahnung bei Autismus – Eltern helfen ihren Kindern

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Madison/WI (USA) hat sich mit der Frage beschäftigt, ob Kinder mit Autismus in ihrer Sprachentwicklung davon profitieren, wenn ihre Eltern ein spezielles Training zur Förderung der Kommunikation erhalten. Autistische Kinder bedürfen im Alltag besonderer Hilfe ihrer Bezugspersonen, weil sie sich nicht so selbstständig entwickeln wie gesunde Kinder. Auch wenn Eltern gemessen an den Bedürfnissen eines normal entwickelten Kindes alles richtig machen, brauchen sie Beratung und Training, um auf die Besonderheiten des autistischen Kindes einzugehen. 

Im Fokus des Trainings stand die sogenannte verbale Responsivität. Diese beinhaltet das Kommentieren von Handlungen des Kindes und der Dinge, die in seinem Fokus stehen sowie das Reagieren auf dessen sprachliche und nichtsprachliche Kommunikationsversuche. An der Studie nahmen 14 Familien mit ihren autistischen Kindern zwischen drei und sechs Jahren teil. Das Elterntraining wurde von SprachtherapeutInnen an fünf Gruppen- und zwei zusätzlichen Einzelterminen durchgeführt. Außerdem erfolgten 14 Eltern-Kind-Termine zur direkten Anleitung in Kleingruppen. Die Eltern lernten, die Kinder für Spielhandlungen zu begeistern, etwa einfache Routinen oder die Beschäftigung mit Dingen anzuregen und dies als Grundlage für kommentierendes Sprechen zu verwenden. Sie lernten außerdem, ihre Kinder zu Kommunikationsversuchen zu animieren, indem sie im Alltag Lieblingsspielzeuge oder Süßigkeiten für das Kind in Sicht- aber außer Reichweite platzierten, Wahlmöglichkeiten gaben, einzelne Teile eines Spieles erst nach und nach herausgaben und Verzögerungen in sprachliche Routinespiele einbauten. Zusätzlich wurden die Eltern angeleitet, die besonderen Schwierigkeiten der Kinder hinsichtlich ihrer Aufmerksamkeit (z. B. Verlagern der Aufmerksamkeit vom eigenen Fokus auf den eines Anderen) zu berücksichtigen.

 
Das Training verbesserte diese Anpassung des Sprachangebots der Eltern auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Kinder und gab ihnen gleichzeitig emotionale Unterstützung durch das Zusammensein mit anderen Betroffenen. Die autistischen Kinder zeigten zwar keinen Zuwachs ihrer spontanen Kommunikationsversuche, wohl aber der Versuche in durch die Eltern angeregten Kommunikationsgelegenheiten. Auf diese Bemühungen konnten die Eltern wiederum sprachlich eingehen, sie bestärken und erweitern. Die Eltern waren also in der Lage, den Kindern eine Umwelt zu gestalten, welche die Sprache und die Kommunikation der Kinder förderte, und sie konnten die Versuche ihrer Kinder bestmöglich unterstützen.
 
Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass Autismus nicht durch ein fehlerhaftes Kommunikationsverhalten der Eltern entstehe, sondern dass Eltern autistischer Kinder sich besondere Kompetenzen für die autismusspezifischen Bedürfnisse ihrer Kinder aneignen müssten, um deren Entwicklung nachzuhelfen.
 
Vernker, C. E. et al. (2012). Increasing Verbal Responsiveness in Parents of Children With Autism: a Pilot Study. Autism 16 (6), 568-585