Zeigen hilft Lernen

Eine Forschergruppe aus Japan hat herausgefunden, dass Kinder mit Autismus deutliche Fortschritte im Wortlernen machen, wenn ihre Bezugspersonen Dinge im Alltag nicht nur benennen, sondern gleichzeitig darauf zeigen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Während der kleine Hans mit der Eisenbahn auf dem Boden spielt, schaut seine Mutter zum Fenster und sieht einen Vogel auf der Fensterbank. Hans’ Mutter schaut zum Fenster und sagt: „Oh – ein Spatz!“. Nun kann es sein, dass Hans dem Blick seiner Mutter nicht folgt und so keine Verbindung zwischen dem Wort „Spatz“ und dem Auto vor seinen Augen findet. Im Alltag befindet sich ein Großteil dessen, was Erwachsene einem Kind benennen, nicht im aktuellen Fokus des Kindes. Für normal entwickelte Kinder stellt das kein Problem dar. Sie tun sich leicht darin, von ihrem Fokus auf den des Anderen zu wechseln. Um herauszufinden, worauf sich eine Äußerung bezog, schauen sie auf die Blickrichtung des Erwachsenen. Für Hans bedeutet es aber, dass er nur schwer so schnell und so viele Wörter wie andere Kinder lernen kann.

Den Hintergrund dieser Studie bildete die Erkenntnis, dass Kinder mit Autismus Schwierigkeiten haben, der Aufmerksamkeit und insbesondere dem Blick eines Anderen zu folgen. In der normalen Sprachentwicklung nutzen Kinder die Blickrichtung des Erwachsenen, um herauszufinden, welches Ding oder welche Handlung dieser benennt. Kinder mit Autismus können nur schwer neue Wörter lernen, wenn die benannten Dinge sich nicht gerade in ihrem unmittelbaren Aufmerksamkeitsfokus befinden. Eltern autistischer Kinder können ihren Kindern beim Lernen von Wörtern im Alltag helfen, wenn sie Dinge nicht bloß benennen, sondern gleichzeitig darauf zeigen. Die Autoren der Studie empfehlen außerdem, beim Bemerken des Objekts vorher einen hinweisenden Kommentar („Oh, wie schön!“) zu machen und mit der Stimme deutlich die Begeisterung auszudrücken. Bei schwer betroffenen autistischen Kindern können außerdem zusätzliche individuelle Reize helfen, bei denen das Kind aufmerkt (z. B. das Kind bei der Hand zu fassen oder ein Lieblingsgeräusch des Kindes zu machen).

Akechi, H. et al. (2012). Brief Report: Pointing Cues Facilitate Word Learning in Children with Autism Spectrum Disorder. Journal of Autism and Developmental Disorders, doi:10.1007/s10803-012-1555-3