Ein Kind, das spielt, wird sprechen

Auf der Suche nach Möglichkeiten, die Sprachentwicklung kleiner Kinder mit Autismus vorauszusagen, machten kanadische Wissenschaftler eine herausragende Entdeckung: Kann ein autistisches Kind an ersten gemeinsamen spielerischen Ritualen teilhaben, ist dies ein Hinweis auf eine positive Prognose zur zukünftigen Sprachentwicklung.
Wenn Autismus bereits in der Familie vorkommt, kann es wichtig sein, besondere Aspekte der Entwicklung des Kindes schon im Säuglingsalter zu beobachten, um das Kind bei einer Entwicklungsgefährdung möglichst früh unterstützen zu können. Einen Hinweis auf eine spätere positive Entwicklung der Sprachproduktion bilden dabei zum Beispiel intakte frühe Gesten eines Säuglings (z. B. Kopfhaltung, Armbewegungen) und erstes Lautieren (Produzieren der ersten Geräusche und Laute des Säuglings). Den deutlichsten Hinweis auf eine spätere gesunde Sprachentwicklung bildet aber die Fähigkeit, bei ersten sozialen Ritualspielen mitmachen zu können.
 
Arthur ist sechzehn Monate alt und spielt mit besonderer Begeisterung „Guck-guck-Spiele“. Er versteckt sich hinter dem großen Sessel und schaut vorsichtig hervor, ob die Besucherin der Familie zurückschaut. Diese schaut tatsächlich und – schwupps – versteckt ihr Gesicht ganz schnell hinter einem Buch. Das Spiel mit den Blicken geht hin und her und Arthur schüttelt sich vor Lachen, wenn die Blicke sich treffen.
 
Wenn Kinder mit Autismus-Verdacht früh bei „Guck-guck-Spielen und beim Backe-Kuchen sowie bei ersten Fang- und Singspielen mitmachen können, deutet dies auf eine gute Basis für die spätere Sprachentwicklung hin. Die Kinder lernen hier bereits, sich abzuwechseln, jemanden nachzuahmen, sich gemeinsam auf etwas zu beziehen und sich gemeinsam zu freuen.
 
Bopp, K. D. & Mirenda, P. (2011). Prelinguistic predictors of language development in children with autism spectrum disorders over four–five years. Journal of Child Language, 38, 485­503.