Bitter macht lustig – Sarkasmus verstehen lernen

Sowohl Kinder als auch Erwachsene mit Autismus berichten häufig, dass ihnen Situationen schwer fallen, in denen kommunikativer Humor ins Spiel kommt. Es ist besonders kompliziert, die unterschwelligen sozialen Botschaften von verbalem Humor zu verstehen, wenn der Inhalt des Gesagten etwas ganz anderes ist als die eigentliche Botschaft. Dies ist der Fall bei Ironie, Metaphern – und Sarkasmus.
Sarkasmus kann als bitterer Spott durch Ironie ausgedrückt werden. Wenn jemand eine sarkastische Äußerung macht, muss der Zuhörer die Botschaft in Bezug zur Situation und zu den inneren Einstellungen der Kommunikationspartner setzen. Er muss verstehen, dass das inhaltlich Gesagte in umgekehrter Bedeutung gemeint sein könnte sowie eventuelle soziale Nebenfunktionen der Äußerung erkennen können. Auch für eine sprachlich versierte Person ergeben sich also eine Menge sozialer Anforderungen, um eine sarkastische Äußerung zu interpretieren.

Eine Gruppe amerikanischer Autismus-Forscher hat ein Übungsprogramm erprobt, mit dem autistische Kinder Sarkasmus verstehen lernen. Die drei untersuchten Kinder waren zwischen sechs und sieben Jahren alt. Der erste Schritt des Trainings bestand in einer allgemeinen Aufklärung darüber, dass Menschen, die das Gegenteil von dem sagen, was sie meinen, oftmals sarkastisch sind. Hierzu wurden den Kindern verschiedene Videos mit ernstgemeinten und sarkastischen Äußerungen gezeigt. Eine Videosequenz könnte z. B. so aussehen: Ein Kind sitzt in seinem Zimmer – Spielzeuge liegen chaotisch herum, es herrscht eine massive Unordnung. Der Vater kommt herein und sagt „Na, heute ist Dein Zimmer ja besonders ordentlich aufgeräumt!“ Den Videos folgte eine Kurzbesprechung mit dem Therapeuten und einer eigenen sarkastischen Beispiel-Äußerung. Diese Übungsphase wurde abgeschlossen, wenn die Kinder sarkastische Äußerungen zu 80 Prozent korrekt erkennen konnten. In der zweiten Phase erfolgte ein In-Vivo-Training in verschiedenen alltäglichen Settings, zum Beispiel zu Hause, im Auto oder auf dem Spielplatz. Auch diese Phase wurde abgeschlossen, wenn die Kinder die Äußerungen zu 80 Prozent korrekt interpretierten.

Die Kinder zeigten nicht nur während des Trainings, sondern auch zu späteren Untersuchungsterminen deutliche Fortschritte im Erkennen noch nicht geübter sarkastischer Äußerungen. Dies wurde auch auf neue Settings und Gesprächspartner generalisiert. Zwei von drei untersuchten Kindern begannen sogar mit eigenen sarkastischen Bemerkungen.

Die Autoren gehen davon aus, dass ein Training, das Erklärung, Videotraining und exemplarisches Training im Alltag beinhaltet, auch bei anderen Kindern mit Autismus effektiv sein dürfte. Dennoch verweisen sie darauf, dass dieser Themenkomplex auch in Zukunft genauer erforscht werden müsse, da von einer Probandengruppe von nur drei Kindern kaum verlässliche statistische Rückschlüsse auf die Mehrheit autistischer Kinder gemacht werden können.
 
Persicke, A. et al. (2013). Teaching children with autism to detect and respond to sarcasm. Research in Autism Spectrum Disorders, 7, 193-198.

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